Achtung vor Blumentöpfen

Besuch der südlichen Toskana
Wir freuen uns auf unser Landhaus im Olivenhain. Laut Navi ist es nicht mehr weit. Aber Moment mal, das kann jetzt echt nicht sein. Google Maps täuscht sich bestimmt!
Gerade werden wir mit unserem Familienauto mit Hundetransportbox hinten drin, durch ein kleines Bergdorf gelotst, um zu unserer Unterkunft zu gelangen. Die Straße wird zu einer Gasse. Eng und holprig. Wir klappen die Seitenspiegel ein, um nirgends anzuschrammen. Eine zusätzliche Herausforderung besteht darin, die malerischen Blumentöpfe am Rand der Häuser nicht versehentlich zu rammen. Und wenn uns jetzt ein Auto entgegen….? Es kommt uns ein Auto entgegen! Der Fahrer rangiert geschickt rückwärts und lässt uns vorbei. Wir danken herzlich und registrieren die Beulen an seinem Auto. Davon fallen uns später noch viele auf, denn das Auto ist hier bei vielen vorrangig ein Fortbewegungsmittel. Eigentlich sehr sympathisch!
Am Ende des Urlaubs sind wir Profis und kennen alle Tricks, um die engen Kurven im kleinen Bergdorf geschickt zu meistern, bis hin zur 270° Schikane auf glatt poliertem Kopfsteinpflaster.
Wer in die südliche Toskana fährt, den erwarten viele kleine, enge, kurvige und wellige Sträßchen.

Filmkulisse und Weltkulturerbe
Für Fans von Monumentalfilmen gibt es hier einen besonderen Ort. Szenen des Films „Gladiator“, für den Russell Crowe einen Oscar erhielt, wurden im Val dOrcia gedreht. Im Film sieht man Maximus, also unseren Gladiator, in dieser traumhaften Landschaft: Wogende Weizenfelder, Zypressen und eine sich schlängelnde malerische kleine Landstraße sind in goldenes Licht getaucht. Es sind berührende Szenen und diese unglaublich schöne Kulisse steht – wie könnte es anders sein - für das Elysium, also das Paradies für Helden und von Göttern geliebte Menschen. Damit dieses Paradies erhalten bleibt, wurde es 2004 ganz profan unter den Schutz der UNESCO gestellt und gehört seitdem zum Weltkulturerbe.
Warum Ridley Scott und sein Filmteam sich für ihre ikonischen Filmszenen das Val d’Orcia ausgesucht haben, erschließt sich besonders gut von Pienza aus. Von diesem mitttelalterlichen Städtchen hat man einen fantastischen Blick auf die umliegende toskanische Bilderbuchlandschaft. Und zudem ist der Ort selbst auch durchaus hübsch anzuschauen. So hat Papst Pius II im 15. Jahrhundert beschlossen, dass sein Geburtsort Corsignano in eine Idealstadt der Renaissance umgebaut und in Pienza umbenannt werden soll. Dies hat immerhin dazu geführt, dass dieses Städtchen nun auch zum Weltkulturerbe gehört.

Romantik und die Qual der Wahl
Ob die Straßennamen „Via dellAmore“ und „Via del Bacio“, in denen sich Verliebte gerne küssen, auch von Papst Pius ihren Namen erhielten, ist nicht überliefert. Aber Touristen lieben diese romantischen Namen und bemühen sich, die unpraktisch hoch angebrachten Straßenschilder mit aufs Selfie zu bekommen.
Außerdem ist Pienza für besonders guten Pecorino bekannt, den traditionellen Hartkäse aus reiner Schafsmilch. Einen Artikel über die südliche Toskana zu schreiben , ohne Wein, Olivenöl, Pecorino oder Trüffel zu erwähnen, das geht eigentlich gar nicht. Denn von jedem hübsch dekorierten Feinkostladen mit regionalen Spezialitäten wird man optisch angelockt. Und dann muss man sich entscheiden, ob tartuffo bianco oder nero, ob vino rosso oder bianco, ob Oliven mit oder ohne Kern und überhaupt- man muss essenstechnisch viele Entscheidungen treffen, auch an den sensationell guten Eisdielen.
Und alle, die gerne Fleisch essen, sollten sich ein Bistecca alla Fiorentina, ein T-Bone Steak vom Chianina Rind gönnen.
Es gibt so viele hübsche, sehenswerte Orte in der Toskana, dass es einem auch bei einem sehr langen Aufenthalt definitv nicht langweilig wird. Schwierig wird es dagegen bei einem kürzeren Urlaub, bei dem man, wie bei den lokalen Spezialitäten, schon wieder Entscheidungen treffen muss: Wo will ich hin?

Siena, Stadt des Pferderennens auf der Piazza del Campo
Unsere Wahl fiel, neben Montepulciano und dem Trasimener See, auf Siena.
Ob die Söhne von Remus sich wohl je erträumt hätten, dass in ihre Stadt jährlich mal über
16 Millionen Besucher kommen würden? Aber Massentourismus war wohl eher noch kein Thema, als Senius und Aschius der Legende nach Siena gründeten. Sie mussten nämlich vor ihrem grausamen Onkel Romulus, der ihren Vater getötet hatte und nun auch ihnen nach dem Leben trachtete, aus Rom fliehen, wobei sie einfach mal die Kapitolinische Wölfin mitnahmen. Und da die Brüder,der Legende nach, auf einem Rappen und einem Schimmel angeritten kamen, sind Schwarz und Weiß die Farben des Stadtwappens von Siena.

Keine Legende, sondern historisch verbürgt (urkundlich 1238) sind die Ursprünge des jährlich stattfindenden Pferderennens (Palio) am Piazza del Campo . Es ist mittlerweile eine der Hauptattraktionen, bei dem die historischen Stadtteile (Contrade) gegeneinander antreten.
Einen fantastischen Blick über die Stadt hat man vom 88 m hohen Glockenturm Torre del Mangia. Dafür muss man „nur“rund 400 enge, steile Treppenstufen nach oben steigen.
Aber auch ohne diese Turm-Challenge ist es ein Erlebnis, sich einfach durch das Gassengewirr treiben zu lassen. Abseits der großen Plätze bekommt man, trotz des Besucheransturms, ein Gefühl für das authentische Siena. Hier trainieren schon die ganz Kleinen stolz das Fahnenschwingen, ein Stadtteil veranstaltet ein eher privates Fest mit Essensständen und Livemusik vor den Treppenstufen einer Kirche und in den Gassen sind Wäscheleinen vor den Fenstern gespannt. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten, zu denen natürlich auch der schwarz-weiße Dom gehört, zu besuchen, sondern Zeit mitzubringen zum Schauen und Genießen. Innezuhalten und die historischen Gebäude, die Architektur, die Farben, die Stimmung - all das auf sich wirken zu lassen, ist der beste Tipp für diese schöne Stadt.

Mehr über die Toskana unter https://www.visittuscany.com/de
Weitere Informationen zu Pienza: https://www.visittuscany.com/de/staedte-und-ortschaften/pienza/

zu Siena: https://www.visittuscany.com/de/staedte-und-ortschaften/siena/

Quelle: eigen

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