Spazieren mit innerer Ruhe

Die Magie japanischer Gartenwelten
Ein Traum für Urlauber und Gartenfreunde: Zwischen Steinlaternen, spiegelnden Teichen und akkurat geschnittenen Kiefern zeigt Japan seine Seele deutlicher als in jeder Großstadt-Skyline. Wer die Gartenkunst des Landes verstehen will, kommt an drei Orten kaum vorbei: dem Goldenen Pavillon in Kyoto, dem Koko-en in Himeji und den Anlagen von Sanjusangendo.

Blickachsen in geliehener Landschaft
Am Goldenen Pavillon Kinkaku-ji im Norden Kyotos scheint der Tempel auf dem Wasser zu schweben. Die oberen Stockwerke sind mit Blattgold überzogen, das sich im Teich spiegelt; der Garten ist als klassischer Spaziergarten der Muromachi-Zeit angelegt, mit Inselchen, Felsgruppen und bewusst komponierten Blickachsen. Die Japaner nennen dieses Spiel mit Perspektive shakkei – „geliehene Landschaft“ – weil Berge und Wälder der Umgebung in die Szenerie einbezogen werden. Wer früh am Morgen kommt, erlebt die berühmte Ansicht meist mit weniger Selfie-Sticks im Bild.

Ganz anders, aber genauso japanisch, zeigt sich Koko-en neben der Burg Himeji. Auf dem ehemaligen Gelände der westlichen Residenz des Burgherrn entstand 1992 ein Ensemble aus neun ummauerten Gärten, jeder in einem anderen Edo-Stil: vom Teepavillon-Garten über Bambushaine bis zum Landschaftsgarten mit Wasserfall.
Zwischen Himeji-Burg und Koko-en lässt sich ein perfekter Halbtag planen: erst die wehrhafte weiße Burg, danach eintauchen in eine grüne Oase mit Blick auf die Mauern. Besonders eindrucksvoll ist der Koko-en im Herbst, wenn Ahornbäume den Garten in ein Feuerwerk aus Rot und Orange tauchen.

Kies, Moos und gesetzte Steine
Sanjusangendo in Kyoto gilt zunächst als Tempel der 1001 Kannon-Statuen, untergebracht in Japans längstem Holzbau. Doch wer nach dem Staunen über diese Armee aus vergoldeten Figuren noch einen Moment bleibt, entdeckt außerhalb des Hallenbaus den Hojo-Garten – eine stille Anlage aus Kies, Moosflächen und dezent gesetzten Steinen, die dem Zen-Mönch Muso Soseki zugeschrieben wird.

Praktische Reisetipps: Beste Reisezeiten sind Frühling (Kirschblüte) und Herbst (Laubfärbung). Im Sommer ist es heiß, im Winter oft herrlich klar. Kinkaku-ji und Sanjusangendo erreicht man bequem mit dem Bus ab Kyoto Station; ein Tagesbusticket lohnt sich, wenn Sie mehrere Tempel anfahren.

Für Himeji: Mit dem Shinkansen von Osaka oder Kyoto nach Himeji, von dort ca. 20 Minuten zu Fuß zur Burg und Koko-en oder kurzer Busride. Planen Sie jeweils mindestens eine Stunde pro Garten ein, in Kinkaku-ji wegen der Besucher lieber etwas mehr. Früh da sein: Gruppenbusse kommen oft ab 9–10 Uhr; wer zur Öffnung erscheint, erlebt mehr Ruhe.
Kleiner Etikette-Crashkurs: Nicht auf Steine oder Umrandungen klettern, Wege nicht verlassen, im Garten leise sprechen. Essen ist meist nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt. Nützlich: Bargeld für Eintritt, eine wiederbefüllbare Wasserflasche und – in Koko-en – Zeit für eine Teezeremonie im Gartenpavillon.

Quelle: eigen

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