Die Eberraute kehrt zurück in die Küchen
Wer im Internet nach Rezepten für alkoholfreie Erfrischungsgetränke sucht, stößt gelegentlich auf Anleitungen für selbstgemachte Cola. Die Basis ist dabei ein Sirup aus Colakraut, Zucker und Zitrone, der mit Sprudelwasser aufgegossen wird. Colakraut ist eine Varietät der Eberraute (botanisch: Artemisia abrotanum). In herkömmlichen Colagetränken ist die Pflanze nicht enthalten, ihr herbes, leicht zitroniges Aroma erinnert aber ein wenig daran. „Die Eberraute ist eine alte Würz- und Heilpflanze, die unter Namen wie Colakraut oder Limopflanze gerade ein kleines Revival erlebt”, sagt Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern. Colakraut ist in vielen Gärtnereien erhältlich und gedeiht unkompliziert in Topf oder Beet. Die Pflanze wird etwa einen Meter hoch und bekommt im Juli und August unscheinbare gelbe Blüten.Das Colakraut verströmt bei Berührung tatsächlich einen Duft von Cola, unterstrichen von einem Hauch Zitronenduft.
Heilpflanze und Gewürz
Zum Einsatz kommen nur die jungen Triebspitzen der Pflanze, die nicht allzu bitter schmecken und ein wenig an Dill erinnern. Neben der Verwendung für selbstgemachte Limonaden eignet sich die Pflanze auch zum Aufgießen als Tee, zum Verfeinern von Dips und Salaten oder zum Marinieren von Fleisch. Immerhin wird die Pflanze seit der Antike wegen seiner Heilwirkung geschätzt. Bereits Hippokrates, verschrieb Eberraute als Naturheilmittel, ebenso wie später der römische Gelehrte Plinius oder die mittelalterliche Heilerin Hildegard von Bingen. Eberraute war im Mittelalter eine typische Klostergartenpflanze.
Das Spektrum der Anwendung in der Pflanzenheilkunde ist groß. Dass das Colakraut krampflösend, antibakteriell und entzündungshemmend wirkt, scheint belegt. So lindert ein Teeaufguss Bauchkrämpfe wie Magen-Darm- und Monatsbeschwerden, er mildert Erkältungsbeschwerden ab, bis hin zur Bronchitis und Tinkturen wie Salben daraus wirken wundheilend, bei Muskelverspannung oder Sehnenscheidenentzündung. Für das Aroma von Colakraut sind ätherische Öle und Bitterstoffe verantwortlich. Zu den natürlichen Inhaltsstoffen der Eberraute zählt auch der neurotoxisch wirkende Bitterstoff Thujon. Er findet sich auch in anderen Gewürzpflanzen wie Wermut oder Salbei. In den beim Kochen üblichen Mengen ist Thujon gesundheitlich unbedenklich. Schwangere sollten jedoch vorsorglich auf den Verzehr von Eberraute verzichten, da die Pflanze wehenfördernd wirken kann.
Das interaktive Lebensmittel-Forum der Verbraucherzentrale Bayern https://www.lebensmittel-forum.de beantwortet kostenfrei Fragen zu Lebensmitteln, Ernährung, Verpackung und Kochutensilien. In den vorhandenen Antworten kann jeder stöbern und kommentieren.
Quelle: VBZ Bayern
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