Ein Roman, der Golf endlich Ernst nimmt
Da soll doch erst mal jeder Golfer in sich kehren und sich fragen, ob er das auch wollen würde: Gary Irvine, Hauptfigur in John Nivens Roman „ Coma“ übt und übt und übt, doch über -18 kommt er einfach nicht hinaus, ganz im Gegenteil, im wöchentlichen Turnier seines Heimatklubs verhaut er regelmäßig die Bälle. „Golf, darauf wird immer wieder hingewiesen, ist wie Sex. Man muß nicht gut darin sein, um Spaß daran zu haben. Aber wenn man so schlecht darin war wie Gary, warum dann das Ganze?“ und die Antwort kennt auch jeder Golfer: „Die Wahrheit ist, dass Gary -wie Millionen anderen Unglücklichen rund um den Globus- exakt so viele gute Schläge geglückt waren, wie nötig ist, um eine lebenslange geisttötende Sucht hervorzurufen.“
Und diesem Gary knallt ein Ball gegen die Schläfe und schickt ihn ins Koma. Kaum erwacht, spielt er traumhaftes Golf, kann sich für die Open qualifizieren und steht mit den Besten der Besten plötzlich auf dem Platz. Problem: Der Schlag ans Hirn hat nicht nur auch noch das Tourette-Syndrom ausgelöst, was die Herren des Reglements fast zur Verzweiflung treibt ( Ist ein herausgebrülltes „Pisser“ eine zielgerichtete Beleidigung des Mitspielers -Regelverstoß- oder Ausdruck nachlassender Anspannung des Spielers-kein Regelverstoß. Und das ist noch der harmloseste aller Ausdrücke, die Gary so über die Lippen kommen). Und da wäre noch die zwanghafte Lust nach Masturbation, die ihn regelmäßig nach Superschlägen überkommt. Und davon hat er im Laufe des Turniers ein paar.Keine leichte Aufgabe für seinen Caddy, die Dinge in den Griff zu bekommen, denn von Loch zu Loch wollen immer mehr Zuschauer Gary sehen und plötzlich sind da auch noch Fernsehkameras…..
Zu allem Überfluß wird Gary gerade von seiner Frau verlassen, die sich mit dem örtlichen Teppichhändler durch die Auslegware hechelt, der wiederum seine Ehefrau durch den lokalen Mafiaboss beseitigt haben will, der wiederum Garys Leichtfuß-Bruder Lee damit beauftragt, der wiederum lieber seinem Bruder beim Golfen zusehen möchte.
Es geht also hoch her im schottischen Troon, das Ganze nicht geeignet für Zartbesaitete, denn Sprache und Taten im Roman sind so schroff und hart wie die Landschaft an der irischen See. Und hat John Niven nicht Recht, wenn er schreibt, „Wenn man auf einem gut besuchten Golfplatz stand und der Wind aus der richtigen Richtung wehte, würde es einem niemand verübeln, wenn man zu der Überzeugung gelangte, dass die Hälfte der Spieler am Tourette-Syndrom erkrankt war.“
John Niven „Coma“ btb-Verlag,ISDN 9-783442-774388, 13 Euro
Quelle: Eigen
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